Authentischer Mittelalter-Lesespaß

von Verena Bauer (15. Mai 2014)
 
 

Markus Gerwinski hat mit Falkenflug. Die Hörige einen schönen Mittelalter-Roman mit angenehm wenigen Fantasy-Elementen erschaffen. Der Leser findet eine unglaublich kraftvolle, bunte und detailliert beschriebene mittelalterliche Welt sowie authentische Charaktere vor. Eine Zeitreise, von der es sich mitzureißen lohnt.

 

In dem Buch geht es um die Beziehung zwischen der Hörigen Gunid und dem Sohn ihres Lehnsherrn, Ragald. Die beiden freunden sich im Kindesalter an und die etwas ältere Gunid nennt ihren jungen Freund von da an nur ihren „Kleinen“. Die gute Beziehung, die die beiden bis zu ihrer Jugend pflegen, kippt, als Ragald sich zur Ausbildung in einem benachbarten Lehen aufmacht: Beim Abschied merkt Gunid, dass sie doch etwas mehr als Freundschaft empfindet, während Ragald an dergleichen nicht zu denken scheint ... Als dieser nach seiner Ausbildung auch noch Hand in Hand mit einem fremden Mädchen zurückkehrt, kühlt das Verhältnis vollends ab. Doch es herrscht Krieg im Land, die Feinde rücken immer näher. Der ehemals „Kleine“ muss zum Heerlager ziehen, wo er auf eine Mission geschickt wird, von der er nicht mehr zurückkommt. Gunid kann nicht anders und macht sich auf, um ihren geliebten Ragald zu finden.

Der Roman ist sprachlich und technisch gut gemacht. Gerwinski kreiert einen schönen Handlungsstrang mit einigen Höhen und Tiefen, die ausgeglichen und gut verteilt sind. Er schafft mit sorgsam gewählten Worten wunderbar starke Bilder vor dem inneren Auge des Lesers, geht dabei aber auch nicht zu sehr ins Detail. Wer sich von der Liebes- oder Beziehungsgeschichte abgeschreckt fühlt, die im Vordergrund steht, dem sei gesagt: Gerwinski bedient zwar einige Klischees, doch ist das „zwischencharakterliche“ Hin und Her nicht allzu aufdringlich. Weder die Handlung noch die teilweise wirklich ungemeine Spannung gehen darin unter.

Die Gedankengänge und Handlungen vor allem Gunids sind gut nachvollziehbar und man merkt: Gerwinski wollte keine Helden erschaffen, sondern einfach Menschen – und das macht sie sehr sympathisch. Dennoch möchte ich hier ehrlicherweise einen kleinen Kritikpunkt anmerken: Zwar ist auch Ragald an sich ein toller Charakter, doch ist er, was die Beziehungsgeschichte angeht, ein wenig sehr schwer von Begriff. Das geht so weit, dass man sich teilweise an den Kopf langen muss, und ich glaube nicht, dass ein Mann „in echt“ so begriffsstutzig sein kann. Gut, die Geschichte ist hauptsächlich aus Gunids Sicht geschrieben, dennoch hätte hier einiges an Reaktion von der männlichen Hauptperson früher kommen können.

In Falkenflug. Die Hörige, das den ersten Teil eines Fortsetzungsromans bildet, bleiben einige Fragen offen, doch hätte man ein Buch kaum besser beenden können. Ich muss ehrlich sagen: seit Ronja Räubertochter hatte ich selten einen solchen Lesespaß – ich freue mich sehr auf die Fortsetzung, auch wenn es scheint, dass Gerwinski dort mehr Fantasy ins Spiel bringen will. Lassen wir uns überzeugen!

Markus Gerwinski
Falkenflug. Die Hörige.
Scratch Verlag 2013
Kindle eBook
250 Seiten
4,49 Euro