Nicht von dieser Welt
Von Theresa Ehrl (30. Juni 2019)

 

 

 

Seanen McGuire erzählt in ihrem Buch Der Atem einer anderen Welt nicht nur eine spannende und herzzerreisende Geschichte, sondern gleich mehrere. Und alle haben sie etwas gemeinsam. Sie handeln von Kindern, die nicht in diese Welt gehören. Sie sind affiner höherem oder logischem Unsinn, Reim und Logik oder diversen Unter- und Überwelten oder eben alles zugleich.
Habt ihr euch schon einmal gefragt was mit den Geschwistern Peter, Susan, Edmund und Lucy Pevensie passiert, nachdem sie durch den Wandschrank Narnia verließen und wieder in London gelandet sind? Vielleicht wurden sie zu Schülern von Eleanors Schule für Kinder auf Abwegen.

Ein Rückzugsort, getarnt als Internat für schwer erziehbare Kinder, für diejenigen, die eine Tür zu ihrem richtigen Zuhause gefunden haben, eine Tür zu einem für sie richtigen Zuhause, das sie aus den unterschiedlichsten Gründen verlassen mussten. Eine Schule für Kinder, die ihre wahre Heimat vermissen und für die „Hoffnung“ ein böses Wort ist, denn für die meisten öffnet sich die magische Tür nie wieder.

Über die absolute Wirksamkeit von Satire
von Anna Brodmann (28. Juni 2019)

 

 

Bekannter Weise schrieb Martin Sonneborn seine Diplomarbeit über „Die absolute Wirkungslosigkeit von Satire“. Ohne hinterfragen zu wollen wie er es trotz dieses Wissens ins Europaparlament geschafft hat, muss man nach der Lektüre seines neuen Buches „Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlament“ sagen, dass er sich wohl selbst wiederlegt hat. Satire ist wirksam – wenn auch auf unvorhergesehene Weise.

Martin Sonneborns Bericht über seine aberwitzige Zeit in Brüssel ist das mit Abstand unterhaltsamste, lehrreichste und schockierendste Buch des Jahres. Sein trockener Humor in Verbindung mit seinen witzigen Aktionen (z.B. dem Geldverkauf der PARTEI) und merkwürdigen Begegnungen (z.B. mit Marie Le Pen) sorgten dafür, dass ich das Buch wegen ständiger Lachanfälle nur ungern in der Gegenwart anderer Menschen gelesen habe.

Über kantige Frauen und eine Suche
Von Hannah Deininger (27. Juni 2019)

 

 

 

2015: Luca lebt in Berlin und das im Hier und Jetzt. Das Maschinenbaustudium hat sie geschmissen, den Kontakt in die Heimat quasi gänzlich abgebrochen. Sie arbeitet in einem Lebensmittelladen, hat eine Beziehung mit dem Inhaber und schläft auf einer Matratze im Lager. Was ihr Partner bisher gemacht hat, weiß sie nicht, was sie bisher gemacht hat, weiß er nicht. Darüber reden sie nicht.

Aber jetzt ist alles anders. Jetzt wartet Luca auf die Ankunft ihrer Mutter Marion. Die Ankündigung der Mutter, sie komme zu Besuch nach Berlin, hat den Alltagstrott durchbrochen. Also wartet Luca. Und das lange. Doch Marion kommt nicht. Also entschließt sich Luca wieder in die Heimat zu reisen, ein kleines Dorf namens Ronnbach, und sich auf die Spuren der Mutter zu begeben. Die Rückkehr in die Heimat wird für Luca zu einer Reise in die Vergangenheit und zu einer Suche nach ihrer eigenen Identität. Aufgewachsen zwischen der Mutter und der Großmutter, die sich gegenseitig die Luft zum Atmen nahmen, ohne ein geborgenes Zuhause, wird schnell klar, wovor Luca nach Berlin geflohen ist.

Gentlemen rauchen nicht
Von Theresa Ehrl (26. Juni 2019)

 

Was in Anbetracht der momentanen Klimadebatten den Anschein macht, als wäre es ein Buch über den Smog in London, ist in Wirklichkeit der neue Fantasy-Roman Smoke von Dan Vyleta.

Ein Roman, in dem Gut und Böse so verschleiert sind, wie der allgegenwärtige Rauch. Der ist wohl definitiv böse. Darauf hat sich das fiktive England des späten 19. Jahrhunderts anscheinend geeinigt. Kein dunkler Gedanke bleibt durch ihn geheim, weil er den Denkenden oder Fühlenden sofort in sich einhüllt oder wabernd graue Schwaden von ihm hochsteigen. Er setzt sich als Ruß an den Kleidern und Körper ab und ist für viele Menschen ein Zeichen von Sünde.

Der (Alb)-traum vom eigenen Café
von Jana Lickteig (13. Juni 2019)

 

In Moritz Netenjakobs Roman Milchschaumschläger geht Daniels und Aylins Abenteuer in die dritte Runde. Nach den beiden Vorgängern Macho Man und Der Boss hat Daniel endgültig genug von seinem inspirationslosen Leben als Werbetexter. Da sein Stammlokal schließen muss, ergreift er diese einmalige Chance und verwirklicht seinen Traum – er eröffnet sein eigenes Café.

Mehr oder weniger tatkräftige Unterstützung erhält Daniel bei der Umsetzung seines Plans von seiner Ehefrau Aylin, ihrer türkischen Familie mit immerhin 374 Mitgliedern und natürlich von Mutti, die ehemalige Pächterin des Ladens. Allerdings kommt es, wie es kommen muss: Nach einigen Wochen ist Daniels größtes Problem nicht mehr der Wasserrohrbruch oder die kleineren Auseinandersetzungen mit Aylin, sondern die drohende Zahlungsunfähigkeit…