Die Reise zum Mittelpunkt des Ichs
von Tessa Friedrich (20.05.2019)



In ihrem zweiten Roman Die Nacht ist laut, der Tag ist finster entwirft Kat Kaufmann eine dystopische Vision unserer Gegenwart: Eine Welt, die kurz vor dem dritten globalen Krieg steht, in der Ländergrenzen wieder maßgebend sind und der gegenwärtige Moment alle Bedeutung trägt, da die Zukunft ungewiss ist. Hier hinein platziert die Autorin Jonas, einen jungen Mann, der sich in seinem bisherigen Leben kaum zu verwurzeln vermochte. Als er eine Nachricht seines verstorbenen Großvaters erhält, die ihn zur Suche nach einem gewissen Valerij Butzukin auffordert, scheint sich für sein Leben eine Richtung zu ergeben – und diese führt nach Russland.

Jonas. Ein Name, der sowohl ‚Geschenk Gottes‘ als auch ‚Zerstörer‘ bedeutet. Jonas ist 25 Jahre alt und lebt in Berlin. Abgesehen vom Kalten Krieg 2.0 zwischen den Westmächten und der Russisch-Asiatischen Union ist sein Leben so, wie man es sich als eine Person in seinem Alter wünschen würde: er ist Teil einer funktionierenden Familie mit halbwegs sympathischem und fürsorglichem Stiefvater, lebt in seiner eigenen Wohnung, besitzt die Möglichkeit zur akademischen Weiterbildung und eine liebevolle und unkomplizierte Beziehung zu einer jungen Frau. Und dennoch kann Jonas zu keiner Person seines nahen Umfeldes eine wahre emotionale Bindung aufbauen, er ist von Leere zerfressen, wirft sein Studium und steckt seine Wohnung in Brand. Der Grund? Das weiß er selbst auch nicht so genau.

Das Ringen um Frieden und um eine nicht gewollte Krone
von Jana Lickteig (19. Mai 2019)

 

 

 

Mit Die Krone der Dunkelheit hat die Autorin Laura Kneidl einen vielversprechenden Auftakt ihrer neuen Fantasysaga geschaffen: Eine unüberwindbare Mauer trennt das Königreich der Menschen, Thobria, und Melidrian, das Herrschaftsgebiet der unsterblichen Fae.

Der brüchige Frieden zwischen den Völkern wird durch ein jahrhundertealtes Abkommen gesichert. Es besagt, dass weder ein Fae einen Fuß nach Thobria setzen noch ein Mensch die mahnende Mauer überschreiten darf. Doch es droht nicht nur Verrat aus den eigenen Reihen, sondern auch Elva, grausame magische Kreaturen, treiben in den Wäldern ihr Unwesen...

Und Absprung!

von Florian Grobbel (14. Mai 2019)

 

 

Es sieht so leicht aus – das Eislaufen: Leicht tänzeln die Sportlerinnen über das spiegelglatte Eis und drehen Kurve um Kurve, bis sie zu dem entscheidenden Moment kommen, in dem sie ihren Körper anspannen und abspringen. Nach einer fulminanten Pirouette kommen sie dann wieder sanft auf dem Eis auf, während das Publikum applaudiert. Doch so glorios wie sie scheint, ist diese Wunderwelt des Eislaufens erst recht nicht, wenn man ein heranwachsendes Mädchen ist, das eigentlich ohnehin schon genug Probleme hat.

Die autobiographische Graphic Novel der Zeichnerin Tillie Walden erzählt von ihren persönlichen Erfahrungen, die sie während ihrer Teenagerjahre gemacht hat. Einen Rahmen dafür bildet der Eiskunstlauf-Sport, den sie über zwölf Jahre in verschiedenen Ligen und Vereinen ausübte.

Zeit und Macht - Macht und Zeit. Christopher Clarks neues fulminantes Werk

Von Janine Vogelsang (13. Mai 2019)

                                                                                    

Nicht ohne Zufall, ist der bekannteste Historiker der deutschen Vergangenheit kein Deutscher und scheut sich nicht Thesen abseits des akademischen Mainstreams zu veröffentlichen. Die Rede ist von Christopher Clark. Durch zahlreiche Interviews, TV-Dokumentationen und nicht zuletzt durch seine Bücher, schaffte er es, als Geisteswissenschaftler den Durchbruch. Schnell wird der Ruf nach Populärwissenschaft laut, doch das besondere an Christopher Clark ist, dass man ihm – trotz seiner medialen Präsenz – genau diese Vorwürfe nicht machen kann.


Seine wegweisenden Schriften zur preußisch-deutschen Geschichte sind mittlerweile Standardwerke, insbesondere sein 2006 veröffentlichtes Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600–1947. Kein seriöser Historiker würde es Clark absprechen mit der notwendigen Akribie und Leidenschaft für Quellen zu arbeiten. Der Vorwurf der Parteinahme, die über jeder historischen Darstellung schwebt, ist da schon schwerer zu entkräften. Auch Clark wurde dieser schwerste aller Vorwürfe der deutschen Historikerzunft in der Debatte um sein Buch Die Schlafwandler gemacht.

Zurück nach Phantasien und Lummerland - Wieland Freund vollendet Michael Endes Geschichte

von Janine Vogelsang (12.Mai 2019)    

 

 

Der Schöpfer der liebsten Kindheits- und Erwachsenenfiguren starb im Jahr 1995. Doch Bastian Balthasar Bux, Momo und Jim Knopf blieben. Im Frühjahr erschien nun eine neue Figur von Michael Ende und machte damit Jung und Alt glücklich. Die Rede ist von Knirps, der auf seinen Gegenspieler Rodrigo Raubein trifft. Knirps ist der Sohn zweier Marionettenspieler und zieht mit Papa und Mama Dick durch die Lande. Was auf dem ersten Blick spannend klingt, ist für Knirps sehr langweilig. Er sehnt sich nach Abenteuern in der Welt und flieht, um später beim Bösewicht Rodrigo Raubein Knappe zu werden. Dass er dabei genügend Abenteuer erleben wird, ist abzusehen.

Wir haben es dem Thienemann Verlag zu verdanken, dass wir Knirps und seine Geschichte verfolgen können. Wieland Freund, Kinderbuchautor und bekannter Journalist bei „Die Welt“, hat zu dem Manuskript noch weitere Kapitel hinzugefügt und ein solides Buch geschaffen, das zwar nicht mit den Geschichten Michael Endes vergleichbar ist, aber die Grundzüge seiner Welten beinhaltet.