Erinnerungen an die Entenjagd

von Sophia Klopf (25. April 2018)

 

© Carolin Cholotta

 

Am 02. und 03. Februar gab es in der Alten Seilerei wieder ein russisches Theaterstück von ArtEast, der studentischen Theatergruppe, die sich in bewährter Weise einem modernen Klassiker annahm: der Entenjagd nach Alexander Vampilov.

Dabei sollte man bei »Entenjagd« keinesfalls idyllische Landschaften und Jagdplausch erwarten. Im Mittelpunkt steht Viktor Silov, um die dreißig Jahre alt, der im Leben herumeiert. Mit seiner Frau Galina ist er nicht glücklich, die Arbeit langweilt ihn. Sein Arbeitskollege und bester Freund Anatolij Sajapin ist der einzige mit dem er Spaß hat. Zusammen reißen sie Witze, drücken sich vor der Arbeit und jagen Frauen hinterher.

Eines Tages kommt es zum Eklat. Viktor bekommt telefonisch seinen Tod mitgeteilt; der Trauerkranz, seinem Tod bestimmt, wird vorbeigebracht. Dieses Ereignis bringt zahlreiche tragische Erinnerungen in seinem Kopf hervor. Sie haben eines gemeinsam: sie zeigen Silov die großen Momente seiner Fehler und Verluste, zum Beispiel seine gescheiterte Ehe mit seiner Frau Galina, seine Fehler mit ihm selbst.

Ein komischer Kauz ist Silov ja. Einerseits scheint er das Leben nicht so ernst zu nehmen und sucht vor allem seinen Spaß. Andererseits treffen seine Bemerkungen mit bewundernswerter Klarsicht ins Schwarze, sei es über sich selbst, oder über die Gesellschaft, in der er lebt.

Wie immer gibt die Theatergruppe ArtEast keinen Grund, um an ihnen zu zweifeln. Ihr Schauspiel ist gut, sodass auch Leute, die kein russisch können berichtet haben, dass sie verstanden haben um was es geht. Mit betonter Lässigkeit bauen sie ihre Bühne vor den Zuschauern um, eine Eigenart, die man bei ArtEast nicht mehr missen mag.

Ein Augenmerk muss man bei der Entenjagd auch auf die Kostüme werfen. Die Figuren sind in einem überzeugenden 80er Jahre-Chic gekleidet, der den Zuschauer wohl eine Ahnung gibt, wie die eigenen Eltern damals so gefeiert haben. Gleichzeitig sind die Gesichter aller (außer Silov) weiß angemalt und somit die Verkörperung der Geister, die ihn heimsuchen.

Alles in allem ein gelungener Abend! Wir freuen uns schon auf das nächste, angekündigte Stück der Theatergruppe, nämlich »Die Lastergrube«. Wir haben das Stück vor einem Jahr schon auf Russisch angesehen und berichtet und freuen uns nun, es auf Deutsch zu sehen.

Hier noch einmal unsere Rezension zum Stück: »Hier bin ich – die Frau für jeden«