Mörderisch komisches Open-Air-Vergnügen

Von Antje Günther (17. Juli 2019)


© e.g.o.n.

 

"Mord finde ich nicht komisch." Man muss kein Pfarrer sein, um dieser Aussage Father Pennefathers zuzustimmen. Wenn er jedoch so präsentiert wird, wie es die Theatergruppe e.g.o.n. am Mittwoch, den 10.07.2019, im Musikpavillon im Hain tat, als sie Agatha Christies Klassiker Tod auf dem Nil auf die Bühne brachten, dann wird ein Mord und dessen Aufklärung zu fabelhafter Unterhaltung. Bei schönstem Wetter und vor einer klug gewählten Kulisse entspann sich eine vor allem komische, aber auch spannende Suche nach der Wahrheit um den Mord an der jungen Kay.

Die Handlung des Stücks ist schnell erzählt: eine Gruppe von Menschen, unter anderem die frisch verheiratete Kay und ihr Ehemann Simon, unternehmen eine Fahrt auf dem Luxusdampfer "Lotus", als zunächst Simon angeschossen und schließlich Kay erschossen aufgefunden wird. Da sie sich auf dem Wasser befinden, muss es einer der Gäste gewesen sein, aber wer?

Die Leere des Einzelnen

Von Sebastian Meisel (13. Juli 2019)



 © Denis Meier

Mit der Premiere des Stückes Die Republik der Schlaflosen betritt das Wildwuchs-Theater ein schwieriges Terrain. Dass dieses Wagnis durchaus gelingen kann, wird am Premierenabend sehr deutlich.

Kennt man das eigentlich noch? Das Telefon klingelt und man weiß nicht, wer am anderen Ende ist? Ein Unbekannter, die große, die vergangene Liebe? Oder doch nur der nervende Kollege, der von seinem Tag erzählen will? In Zeiten der digitalen Allverfügbarkeit scheint dies wie eine Geschichte aus der Vorzeit. Aber dennoch spiegeln sich auch hier die zentralen Fragen der modernen Menschheit.

Ein himmlisches Vergnügen

Von Anna Brodmann (9. Juli 2019)

© Martin Kaufhold

Am 6.7. feierte Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben bei den Calderón-Spielen des ETA-Hoffmann Theaters seine Premiere und entführte seine Zuschauer in eine absurd komische und urbayrische Welt. Der Brandner Kaspar ist nicht nur ein ausgesprochen witziger Schelm, der seine Umgebung gern auf den Arm nimmt, sondern auch Held der gleichnamigen bayrischen Erzählung. 

Diese beginnt damit, dass der Brandner Kaspar den Tod mit Kirschgeist abfüllt und anschließend beim Kartenspiel über den Tisch zieht, sodass er sich 18 zusätzliche Lebensjahre erschleicht. Die himmlischen und irdischen Verwirrungen, die sich daraus ergeben sind sehr originell, wahnsinnig witzig und auch für Nicht-Bayern absolut sehenswert.

Ein französischer Sommernachtstraum 
Von Anna Brodmann (26. Juni 2019) 

© Werner Lorenz 

Cyrano ist die am häufigsten gespielte französische Komödie aller Zeiten- und wer die aktuelle Inszenierung des Theaters im Gärtnerviertel gesehen hat, der weiß auch warum. 
In knapp zwei Stunden bekommt der Zuschauer ein Feuerwerk der Unterhaltung – von Gesang über beeindruckende Musikinstrumente und schlagfertigem Wortwitz bis hin zu einer absolut traumhaften Location ist alles geboten, was das Theaterliebhaber-Herz begehrt. 

Die Tragikomödie dreht sich um den namensgebenden Cyrano, einen wortgewandten intelligenten Schelm, der sich selbst für zu hässliche hält, um seiner Flamme seine Liebe zu gestehen. Die sich daraus ergebenden Verwicklungen sind sehr witzig, schlagfertig, kreativ und mit so viel Liebe zum Detail inszeniert, dass das Zusehen die reinste Freude ist. Vor allem Cyranos Wortwitz ist brillant in Szene gesetzt, z.B. wenn es heißt: „Er hat Locken wie ein griechischer Gott.“ – „Ja, aber solches Fell wächst auch dem Schafe.“ 

Der „vortreffliche Melancholikus" und die, die Automat genannt wird
Von Anna Breuninger (10. Juni 2019)

 

 © Konrad Fersterer

 

Hatten Sie schon einmal ein Déjà-Vu oder einen Traum der täuschend real schien? Dann sehen Sie wie einfach es geschehen kann die Realität mit der Imagination zu verwechseln. Die Wahrnehmung hat zwei Welten, wie auch der zweite Themenstrang im Stück, der der Idee nachgeht, was den Menschen zum Menschen macht. Also wann endet das Humane und wann beginnt das Künstliche?
Das facettenreich inszenierte Theaterstück "Der Sandmann" unter der Regie von Clara Weyde geleitet, ist durch und durch eine treffliche Hommage an und im Sinne des Schreibers E.T.A. Hoffmann, der selbst Zeichner, Schriftsteller und Komponist war.