Brüste wie Kleiderhaken und das Gute am Tod
von Theresa Ehrl (18. Mai 2019)

 

 © Konrad Fersterer

 

Geld, Eifersucht, fehlende Wertschätzung und geheuchelter Beistand. Was sich anhört wie eine Ehekrise, ist auch eine. Und die Ehekrise? Die ist ein Einakter von Georges Feydeau, inszeniert von Dieter Dorn in Nürnberg.

Wäre dieses Theaterstück eine Rede, würde sie mit „Wer kennt es nicht…“ anfangen.
„Herzliches Beileid“, eine Komödie, deren Inhalt eine klischeehafte Szene aus einem klischeehaften Eheleben ist, braucht Zuschauer, die sich identifizieren.

„Verrückt, aber weise“

von Florian Grobbel (17. Mai 2019)

© Christian Martin

Nach eigener Erfahrung gehört Friedrich Dürrenmatts Die Physiker zu einer der beliebtesten Schullektüren. Das ist natürlich mehr als verständlich, schließlich ist es eine Komödie voller Morde, verrückter Typen und noch einer guten Prise Gesellschaftskritik. Kein Wunder also, dass sich immer wieder dazu entschlossen wird, Einstein, Newton und Möbius zu inszenieren. Jetzt bringt das e.g.o.n die Komödie zur Aufführung. Wir waren in der Premiere am 15. Mai, bei der das Publikum bis vor der Tür Schlange stand. Doch durch einiges Zusammenrücken konnte noch vielen der Eintritt ermöglicht werden. Glücklicherweise.

Das Stück findet im Salon des altehrwürdigen Sanatoriums „Les Cerisiers“ statt. Die einzigen drei Insassen, die hier noch leben, sind besonders interessante Fälle, da sie sich alle für legendäre Physiker halten. Da gibt es den stets geigenden Albert Einstein, den überkorrekten Newton und Johann Wilhelm Möbius, dem regelmäßig der König Salomo erscheint. Doch nicht nur ihre naturwissenschaftliche Passion verbindet die Männer, auch der Hang zum Morden ist bei allen drei Irren vertreten. 

Sagt mal, warum scheitern Utopien eigentlich immer?

von Anna Brodmann (9. Mai 2019)

© Jochen Quast


Am 3.5. feierte im Theater Erlangen „Farm der Tiere“ nach dem Roman von George Orwell Premiere. Doch was den Zuschauer erwartet ist keineswegs ein gewöhnliches Theaterstück. Mit der „Live-Film-Inszenierung von Klaus Gehre“ feuert das Ensemble des Theaters eine außergewöhnlich inszenierte Mischung aus Film und Theater, Bühnen- und Kameraarbeit, Schauspiel und Puppenspiel ab. Ein Stück über eine Utopie, das inszeniert ist wie eine Utopie - doch genau wie bei Orwell scheitert auch diese Utopie an einem bestimmten Punkt.

Die Handlung des Stücks dreht sich um Farmtiere, die irgendwann genug von der Unterdrückung haben und ihren Bauern von der Farm jagen. Jetzt wo sie frei sind, wollen sie ein neues selbstbestimmtes System aufbauen, in dem jeder frei und gleich leben kann. Doch Demokratie und Gemeinschaftsgüter sind anstrengend, verlangen Opfer und ziehen machthungrige Individuen an – und das System verkehrt sich langsam in sein Gegenteil.

Wenn die tollen Tanten morden

von Florian Grobbel (5. Mai 2019)

© Werner Lorenz

 

Begegnen einem auf der Straße zwei fröhliche alte Damen, denkt man an Werte wie Gutherzigkeit, Fürsorge und Glückseligkeit. Auch von den netten Tanten Abby und Martha aus dem Stück Arsen und Spitzenhäubchen von Joseph Kesselring würde man auf den ersten Blick nichts Böses erwarten, geschweige denn, dass sie beide kaltblütige Mörderinnen sind. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus. Die Geschichte der Tanten wird jetzt vom Theater im Gärtnerviertel in der Zehnthaus-Scheune der Brauerei Klosterbräu zur Aufführung gebracht.

Es sind schon nicht ganz einfache Verhältnisse im Hause Brewster. Die drei Neffen der älteren Damen scheinen alle nicht ganz richtig im Kopf zu sein. So hält sich der infantile Teddy für den Präsidenten Theodor Roosevelt, der mit seiner Kriegstrompete die ganze Nachbarschaft in Aufruhr versetzt. Der zweite Bruder Jonathan ist irgendwann verschwunden und soll als Mörder sein Unwesen treiben und Mortimer, der Dritte im Bunde, ist doch tatsächlich Theaterkritiker geworden.

„Machen Sie doch keine Witze“

von Antje Günther (06. April 2019)

© Frederik Fischer

Gerade dies taten die vier Schauspieler des e.g.o.n. jedoch zuhauf, als sie bei der Premiere am Freitag, den 05. April in der Alten Seilerei in Bamberg Alfred Hitchcocks Die 39 Stufen auf die Bühne brachten. Die Krimifarce, basierend auf der Theaterfassung von Simon Corble und Noby Dimon, persifliert den Filmklassiker von 1935 und sorgte für viele Lacher.

Szene für Szene wird der Film nachgespielt und durch den Kakao gezogen. Handlung und sogar der Text der Schauspieler ist größtenteils mit dem der deutschen Synchronfassung des Films von 1966 identisch. Während Hitchcock die Geschichte um Richard Hannay, der in ein Spionagekomplott verwickelt wird und ständig auf der Flucht ist, jedoch ernsthaft erzählt, nimmt die Theaterfassung von Corble und Dimon die Absurdität und Komik der Geschichte in den Blick. Mit nur wenigen, mitunter handgemachten Requisiten und lediglich vier Schauspielern, die insgesamt knapp 30 verschiedene Rollen übernehmen, wird der Film von einer spannenden Spionagegeschichte vom ‚Master of Suspense‛ zu einer Farce, die mit absurdem, derb-komischen Humor unterhält. Getragen wird dieser Humor in erster Linie vom überzeichneten Spiel der vier Schauspieler. Insbesondere Anja Wagner und Stefan Huber, die jeweils 12 unterschiedliche Personen spielten, sorgten für große Erheiterung, sei es als zotenreißendes Vertreterduo im Zug nach Schottland oder als Hotelierpärchen Mr. und Mrs. Garrigle, die sich scheinbar aus Bayern nach Schottland verirrt haben und Hannay und Pamela in breiter Mundart empfangen. Blass dagegen wirkte Jana-Rebecca Hilser, welche die drei zentralen Frauenfiguren des Films verkörperte. Ihre Darstellung der Figuren geriet sehr ähnlich, was gerade bei Zuschauern, die mit dem Film nicht vertraut sind, für Verwirrung sorgte.