Freiheit?!
von Anne Schumacher (März 2011)
Es brodelte in den amerikanischen Medien im vergangenen September als Jonathan Franzens neuer Roman Freiheit aus dem Ei schlüpfte. Neun Jahre nach den Korrekturen blickten die Amerikaner und mir ihnen der internationale Buchmarkt auf den angekündigten amerikanischen Jahrhundertroman. Franzen schildert anhand der Familie Berglund ein zeitdiagnostisches Panorama der letzten dreißig Jahre amerikanischer Geschichte und somit ein Porträt unserer Zeit. Mittels komplexer Biografien legt er uns das soziologisch angehauchte Bild einer amerikanischen Familie, insbesondere nach dem 11. September, und nicht zuletzt das Verhältnis des liberalen Amerikas zur Gewalt dar. Es ist eine Abrechnung mit der Busch-Ära, aufgezeigt an einer demokratisch-liberalen Familie.
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A noble story
von Marcel May (24. Februar 2011)
In seinem neuen Roman Solar widmet sich Ian McEwan dem privaten und beruflichen Leben des (fiktiven) Nobelpreisträgers Michael Beard. Durch herausragende physikalische Forschungen über die Einwirkung von Licht auf feste Materie (und die darauf folgende Nobel-Auszeichnung) eine Koryphäe auf seinem Fachgebiet, profitiert Beard den Rest seines Lebens von seinem bekannten Namen. Dementsprechend wenig Anstrengung kostet ihn sein auf Repräsentation ausgelegter Beruf – das Leiten eines Instituts zur Erforschung erneuerbarer Energien – während sein durch zahlreiche, immer wieder scheiternde Ehen und Affären geprägtes Privatleben für Abwechslung sorgt.
Welch fatalen Ereignisse diese Lebensweise provozieren kann, schildert McEwan, als Beards (derzeitige) Frau ihrerseits Beard mit seinem Mitarbeiter Aldous betrügt.
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Darkness comes across the land...
von Andrea Zillig (7. Oktober 2010)
Christoph Marzi greift mit seiner Geschichte Helena und die Ratten in den Schatten eine der typischen Ängste von Heranwachsenden auf. Seit Helena und ihre Familie umgezogen sind, hört sie ständig schaurige Geschichten über die in den Schatten lebenden Nagetiere. Alle Katzen der Stadt, der Hund der Windsors und sogar Kinder sind schon in der Finsternis verschwunden. „Sie haben den kleinen Timmie geschnappt, als er im Keller Kartoffeln holen sollte...“ Eines Nachts als auch ihr Stoffäffchen Chico versehentlich vom Fensterbrett fällt, schlägt Helena jede Warnung in den Wind und macht sich auf in die Dunkelheit, um ihren Freund zu retten.
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Der Schindermann lässt grüßen
von Frederic Heising (23. November 2010)
Seit Ewigkeiten ist Nick Cave ein Urgestein der Musikszene, obwohl sich der alte Herr nie für den Mainstream hergegeben hat. Der Australier bleibt sich treu – egal ob als Musiker der Bands The Bad Seeds und Grinderman, oder als Autor. Die Wortgewalt seiner Songtexte überträgt er mit Leichtigkeit auf seine Romane, die alles andere als typische Rockstarliteratur sind. Mit Und die Eselin sah den Engel schlägt er sehr epische Töne an und verwandelt die Südstaatenerzählung über den inzestgeschädigten Außenseiter Euchrid Eucrow in eine pervertierte Heilsgeschichte.
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Betriebsanleitung für Deutschland
von Anne Schumacher (15. Oktober 2010)
„In einem Literaturhaus zu lesen ist, wie einen Autoreifen zu ficken.“ Benjamin von Stuckrad-Barre zieht es vielmehr ins wahre Leben: Wahlkampf, Streik, Demonstrationen, Konsum, Fußball, Kino, Mode, Politik, Gesellschaft. Mit seinen Reportagen, Erzählungen, Porträts und Gesprächen zeichnet er ein Sittengemälde der deutschen Medien-, Staats- und Gesellschaftslandschaft mit teils nichts aussagenden, teils gekonnten Pinselzügen.
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